Kurz bevor die Friedenstraße in die Landsberger Allee mündet, ist eine Perle alter Berliner Industriearchitektur zu bewundern: ein fünfgeschossiges Backsteingebäude mit auffallend schö­ner Wand- und Fenstergestaltung, mit neoromanischer Fassade, Rund­bo­gen­friesen und Ornamenten, wofür schwarz glasierte Klinker verwendet wurden.

Das historische Gebäude in der Friedenstraße 91 wurde von 1890 bis 1899 erbaut, nach Plänen des Architekten Arthur Rohmer, als pneumatische Mälzerei des Böhmischen Brauhauses, das Armand Knoblauch 1868 auf dem Gelände zwischen Landsberger Allee, Pufendorf- und Friedenstraße als Familienunternehmen gründete. Das Böhmische Brauhaus stand seinerzeit an der Spitze der Berliner Brauereien, selbst nach dem Gründerkrach fiel der Aktienkurs nicht unter den Nennwert. Hier wurde 1883 die erste Eismaschine der Linde AG aufgestellt, und 1898 wurde hier das erste Biertransportauto in Berlin eingesetzt. Zur Brauerei gehörten u.?a. ein Sudhaus, riesige dreigeschossige Kellergewölbe sowie die Restauration Elysium mit Festsälen und Biergarten für rund 2.000 Gäste.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs waren die Brauereigebäude zum Groß­teil zerstört oder beschädigt, Bier wurde an dieser Stelle seitdem nicht mehr gebraut. Von 1952 bis Anfang der 90er Jahre diente das Gelände dem staatlichen Getränke­kontor als VEB Weingroßkellerei. Hier wurden Wein, Sekt und Spirituosen gelagert und abgefüllt, bis zu 100.000 Flaschen am Tag, von Krimsekt über den begehrten Ro­sen­thaler Kadarka bis

Mira­maro-Wer­mut. Außerdem war im Kel­ler­ge­wöl­be eine Probierstube ein­ge­rich­tet, in der die Ostberliner gern einkehrten und wo auch Prominente wie Manfred Krug oder Costa Cordalis anständig becherten. Daß hier aber Honecker mit seiner SED-Nomenklatura einen Weinkeller gehabt hätte, um heimliche Sektorgien zu feiern, gehört ins Reich der Legenden.

Während das alte Sudhaus als Turnhalle diente, nebst Billardraum, Kegelbahn und Sauna, wurde die ehemalige Mälzerei vom Großhandelskontor Schuhe als Lagerfläche genutzt. Von 1999 bis 2001 wurde der Bau aufwendig restauriert und soll als Neue Mälzerei das Herzstück eines geplanten Forum Friedrichshainwerden. Im Haus haben u.?a. ein Fitness-Studio, Kurier- und Internetfirmen ihr Domizil gefunden, die oberste Etage wird für Veranstaltungen und als Tagungszentrum vermietet. In den Kuppelsälen mit ihren fünf Meter hohen gewölbten Decken, wo vor hundert Jahren Malz für die Bierherstellung getrocknet wurde, finden nun Seminare und Workshops statt. Originale Backsteinwände, eine lichte Lobby und verstellbare Wände schaffen ein einzigartiges Raumerlebnis und eine besondere Atmosphäre.

Herzlichen Dank an Thomas Heubner, dem Herausgeber der "Friedrichshainer Chronik" für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung auf unserem KiezApp-Blog.