vom Fischerdorf zum Szenebezirk

 

Der wohl älteste besiedelte Teil des heutigen Friedrichshaines ist die  Halbinsel Stralau. Diese gilt auch als einer der ältesten Siedlungsgebiete Berlins. Seit der Steinzeit siedeln hier Menschen und schon im 13. Jahrhundert wurde die Insel Stralow erwähnt. Namensgebend für den Bezirk war aber der heutige Volkspark Friedrichshain. Dieser wurde 1846-47 als Friedrichshain zu ehren der hundertjährigen Thronbesteigung Friedrich II angelegt. Mit der Bildung Groß-Berlins wurde die Stralauer Vorstadt, Stralau, die östliche Königsstadt und das Samariterviertel zum Berliner Bezirk Friedrichshain. Boxhagen  und Friedrichsberg gehörten bis 1938 noch zu Lichtenberg und wurden dann Friedrichshain zugeordnet. Als „Arbeiterbezirk“ war Friedrichshain dicht mit Fabriken, Wohnhäusern und anderen Industriegebäuden bebaut. 1939 hatte Friedrichshain gut dreimal so viel Einwohner wie 2007. Ein Großteil der ursprünglichen Bebauung wurde durch Bombardierung und den Häuserkampf des zweiten Weltkrieges zerstört. Nach dem Krieg lag Friedrichshain im sowjetischen Sektor und wurde dann ein Teil Ost Berlins und grenzte mit einer Mauer direkt an Kreuzberg. Die erhaltene Hinterland Mauer ist als East-Side-Galerie bekannt und gehört zu den berühmtesten Sehenswürdigkeiten Friedrichhains.  Im Zuge des  Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkrieg entstand auch die Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee und Frankfurter Allee) mit dem Frankfurter Tor. Nach der Wende zog es viele, vor allem Westberliner, Hausbesetzter in die unsanierten Altbaugebiete im östlichen Teil Friedrichshains. Hierbei kam es auch zu den berühmten Straßenschlachten und die polizeiliche Räumung in der Mainzer Straße. Aus dieser Szene entstanden des öfteren soziale und kulturelle Einrichtungen, Kneipen, Clubs und Bars die teilweise noch heute existieren. Ende der 90er Jahre endstand rund um die Simon-Dach-Straße ein Kneipenviertel das sowohl für Berliner als auch für Touristen zum Anziehungspunkt wurde. Vom Arbeiterviertel ist nicht mehr viel übrig geblieben. Die unterschiedlichsten Leute wohnen und arbeiten inzwischen hier oder besuchen die Wochenmärkte und Veranstaltungen. Die Gentrifizierung im Friedrichshain hat nicht nur begonnen, sie wächst von Jahr zu Jahr. Doch viele Initiativen, wie zum Beispiel die Rettung der Knorrpromenade durch KiezGestalten e.V., machen Hoffnung, dass uns noch ein Rest des alten Friedrichshains erhalten bleibt.

Seit der Berliner Bezirksreform 2001 gehört Friedrichshain offiziell zum Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain. Das interessiert allerdings keinen der Bewohner der beiden ehemalig eigenständigen Bezirke.  Seit 1998 ist die Oberbaumbrücke traditionell einmal im Jahr Schauplatz der „Gemüseschlacht“ zwischen Friedrichshainern und Kreuzbergern, in der um die Vorherrschaft zwischen den beiden mittlerweile fusionierten Bezirken volksfestartig gestritten wird.

 

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