+++ SAUER +++

Unser Kiez ist ja zum Glück nicht statisch, nicht ohne Veränderung oder ohne Entwicklung, alles ist immer in Bewegung. Das ist normal. Allerdings gibt es auch Entwicklungen die uns bewegen. Und das nicht im positiven Sinne! Natürlich gibt es bei den Läden hier im Kiez immer auch Fluktuation, die gab es immer, ein Kommen und Gehen über die Jahre. Einige Läden und Konzepte funktionieren auch einfach nicht, oder nicht hier. Das gilt auch für Unternehmen, die kein sichtbares Ladengeschäft im Kiez haben.

Das ist alles normal und hängt auch von den Inhabern und deren Ideen und Möglichkeiten ab. Was uns aber nun auf die Palme bringt, sind Geschäftsaufgaben die weder mit den Inhabern, noch mit deren Ideen zu tun haben, sondern von aussen erzwungen werden. Gemeint sind damit drastische Mieterhöhungen der Ladenflächen um bis zu 100 %, teilweise sogar darüber hinaus. Sicher sind Mieterhöhungen auch eine normale Sache, wenn sie in normalen Rahmen erfolgen.

Was hier aber stellenweise abgeht ist schlichtweg abartig! 

Begreifen diese Vermieter denn nicht, das ihre Geldgier den Kiez zerstört? Ja, das ist nicht neu, ist bekannt, passierte bereits seit Urzeiten in anderen Kiezen in anderen Städten überall auf der Welt. Aber eben deshalb! Man kann doch sehen wie das endet. Lernen diese Leute daraus nichts? Ist es wichtig und richtig aus dem Moment und der Gelegenheit das maximale Kapital zu schlagen, damit aber Existenzen, Zukunft und Lebensqualität zu zerstören? 

Ich persönlich halte das für gesellschaftliche Körperverletzung!

Hier ein paar aktuelle Beispiele:

Kaufbar - nettes kleines Kaffee in der Gärtnerstraße, meist sehr gut besucht. Derzeit immer noch leer, seit Monaten. Der Grund der Schließung war nicht mangelnder Erfolg, sondern eine massive Mieterhöhung. 

Proviant - urig schöner Lebensmittelladen, Gärtner Ecke Wühlisch, mit tollen Sachen die es so natürlich nicht im Supermarkt für wenig Geld gibt. Der Grund der Schließung war nicht mangelnder Erfolg, sondern eine massive Mieterhöhung.

Driss im Wunderland - kleines Kinderkaffee in der Sonntagstrasse, von einem Ehepaar seit 5 Jahren betrieben und Treffpunkt für junge Familien im Kiez. Nachmieter wird eine Sushi Bar mit Lounge. Der Grund der Schließung ist nicht mangelnder Erfolg, sondern eine massive Mieterhöhung.

Ich bewundere den Mut, die Kreativität und die Ausdauer der Menschen hier im Kiez, die das große persönliche und finanzielle Wagnis ein eigenes Geschäft zu eröffnen eingehen. Ihr seid die, die unseren Kiez zu dem machen was er ist. Ein lebens- und lebensliebenswerter Raum mit Ecken und Kanten, hier laut, da leise, nicht immer und überall schön, aber doch unser Zuhause. Es ist die große Vielfalt die wir hier noch haben. Noch! Wir kennen doch alle so ursprünglich mal recht nette Ecken anderenortes, wo sich jetzt Spätis, Spielcasinos, Imbiss, Filialen großer Ketten oder Ramschläden abwechseln. Wer will denn sowas?

Wir möchten mit unserer KiezApp unseren Nachbarn im Kiez ein kleines und praktisches Tool an die Hand geben, damit sich jeder nach Möglichkeit und Bedarf wieder mehr auf seinen unmittelbaren Lebensraum, dem Kiez besinnt und einfach bewußter mit der Frage umgeht: Wo kaufe ich was?

Unser Tipp: KOOF IM KIEZ tut nicht weh, hilft dem Kiez und fetzt urst!

Das reicht uns aber noch nicht, wir wären sonst auch nur ein weiterer Anbieter von irgendwelchen Adressen. Wir haben deshalb direkt in der KiezApp auch zusätzlich noch Veranstaltungstermine, einen Kleinanzeigenmarkt, Angebote aus dem Kiez und auch einen KiezBlog, wo ja auch dieser Artikel erscheint. Alles auf unseren Kiez konzentriert, frei von Fremdwerbung und kostenlos zu nutzen. Ihr braucht es nur zu tun! Die Strucktur steht!

Übrigens sind wir selbst aus dem Kiez, ich bin hier geboren und lebe auch hier. Wir sind ohne Fremdkapital von Investoren gestartet, kein Anhängsel eines Verlages und damit vollständig unabhängig. Einige von uns haben schon im KiezGestalten e.V. mit der Rettung der Schmucktore an der Knorrpromenade ihre Spuren im Kiez hinterlassen.

 

Beste Grüße, Karsten

KiezApp - Friedrichshain

 

(Foto: Caro Eickhoff, http://www.streetart-fuehrungen.de)

Caro macht übrigens auch Streetart Führungen bei uns im Kiez!