Nun ist es Geschichte, das alte Centrum Warenhaus am Ostbahnhof!

KiezApp und Shopping Center? Passt das? Neee, eigentlich nicht!

Wir als KiezApp sind ja nun wirklich keine großen Freunde der großen Shopping Center wie es sie ja überall und nahezu identisch gibt. Uns sind die kleinen Läden, Unternehmen, Dienstleister und Restaurants im Kiez verteilt viel lieber. Klar gibt es in den Centern auch die kleinen inhabergeführten Geschäfte, aber zum größten Teil dann doch die großen Marken, Ketten und Unternehmen wie Douglas, Deichmann, Christ und Co. Dazu dann noch ein sogenannter Food-Court mit überwiegend Systemgastronomie. Na dufte!

Ich selbst habe viele Jahre im Bereich Werbung und Marketing für Shopping Center gearbeitet und kenne die Entwicklung und deren Folgen für das Umfeld dazu ganz gut. Mittlerweile haben wir in Berlin deutlich über 60 große Shoppingcenter und ein Ende ist nicht in Sicht. Aktuell wird wenige Hundert Meter vom alten Centrum Warenhaus, zwischen Mercedes Benz Arena und dem Bahnhof Warschauer Straße eine weitere fette Mall mit locker 120 Shops und entsprechendem Umfeld und Zubehör im üblichen Format hingezimmert.

Also echt mal, wer braucht das? Wir Friedrichshainer selbst wohl eher nicht. Da wäre dann ja auch, wenns unbedingt ein Center sein muss, noch das große Ringcenter an der Frankfurter und das Alexa und die Galeria Kaufhof am Alex sind ja auch fast in Sichtweite. Touristen vielleicht, die zwischen dem Check In im Hotel oder Hostel und den Kneipen und Partys im Kiez irgendwie die Zeit totschlagen müssen? Vielleicht, wenn’s noch in den Rollkoffer passt. Geht es etwa um direkte Nahversorgung? Wohl kaum, die ist hier recht vielfältig und auch ausreichend. Für die frischen Sachen haben wir Sonnabends den großen Markt auf dem Boxi und dienstags und donnerstags auch noch den neuen Markt "KMA93" in der Karl-Marx-Allee Ecke Friedensstraße. Dazu noch viele kleine Läden und natürlich auch die üblichen Discounter. Geht es um neue Arbeitsplätze? Gefühlt und aus meiner beruflichen Erfahrung werden das nicht mehr, aber auch nicht weniger Arbeitsplätze, da im direkten Einzugsgebiet des neuen Centers bestehenden Läden entweder dort einziehen, oder schlicht und ergreifend dicht machen. Verdrängung also! Die oft wirklich absurden Mietpreise für Ladenlokale im Kiez, tun ihr übriges. 

Die Geschichte

Die große Eröffnung war 1979. Es war damit wirklich das erste große Kaufhaus bei uns im Kiez. Ich selbst bin ja schon etwas länger hier und habe als Kind mit meinen Eltern natürlich auch die Eröffnung erlebt. War damals wirklich eine tolle und besondere Sache! Was auch immer gebraucht wurde, für uns war das die erste Adresse. Wenn ich mich richtig erinnere, kauften mir meine lieben Eltern dort auch meinen schicken Jugendweiheanzug, der mir garantiert heute noch passen würde, wüsste ich wo das gute Stück ist! 

So gingen die Jahre ins Land, bis es ein anderes daraus wurde.

Nach der Wende begann dann in der Tat ein regelrechter Sinkflug des alten Flaggschiffs, wie überall im Einzelhandel zu sehen war. Nicht selten wurde das komplette Sortiment ausgetauscht, Eine Levis oder Wrangler war dann natürlich cooler als eine Boxer oder Wisent Jeans. Wobei, das waren sie vorher ja auch, nur durch die Währungsunion einfacher zu bekommen. In diesem Zusammenhang wurde aus dem Centrum Warenhaus dann irgendwann die Galeria Kaufhof mit vielen auch notwendigen Modernisierungen für eine Rettung, einen Neustart. Nun sieht man ja am Niedergang der anderen großen Warenhäuser wie Hertie oder Karstadt, dass sich die Verkaufskultur verändert hat. Daraus wurden dann Häuser mit getrennten Shops bekannter Marken under kleine inhabergeführte Läden. Selbst die bekommen mittlerweile Schwierigkeiten durch diverse Online Angeboten und einer damit verbundenen digitalen Konzentration. 

Wir hoffen das sich aus dieser gesamten Situation das Kaufverhalten wieder am lokalen Einzelhandel direkt um die Ecke orientiert. Das wollen wir mit unserer KiezApp-Friedrichshain ja unbedingt fördern und unterstützen.

Motto: KOOF IM KIEZ

Derzeit wird das gesamte Gebäude vollständig entkernt und umgebaut. Nach aktuellen Informationen wird aus diesem Komplex dann ein Haus mit neuer luftiger Fassade, vorwiegend mit Büros, aber auch Arztpraxen, ein Café und Restaurant. Auf dem großen Parkplatz neben dem Gebäude, möchte der Bezirks dann eine neue Schule bauen. Das ist ja mal eine gute Nachricht, hoffen wir das es auch dazu kommt.

Unterm Strich bleibt dann aber doch ein lachendes und ein weinendes Auge, aber natürlich ist Stadt auch immer Veränderung. Gut ist, dass der Komplex in seiner markanten Bauform erhalten bleibt und der Versuch unternommen wird, das Umfeld zu revitalisieren. Wohnungen wären auch schön gewesen, aber Hauptsache nicht noch mehr Einzelhandelsflächen in hochkonzentrierter Form. Man kann seine Kröten ja auch nur einmal ausgeben. 

Ich jedenfalls werde jetzt erst mal gucken, wo mein Jugendweiheanzug abgeblieben ist!

 

Karsten Frank 

(Eingeborener)

KiezApp-Friedrichshain