Die Überschrift im Tagesspiegel sagt:

„An der East Side Gallery wächst ein neues Viertel“

Einspruch! Da wächst gar nichts, sondern dort werden in Rekordzeit seelenlose Immobilien für die Rendite der Investoren hingeballert, die wohl die wenigsten Friedrichshainer brauchen, wollen und nutzen werden. Nicht falsch verstehen, ich habe nichts gegen Entwicklung, Veränderung und gesundes Wachstum. Gäbe es das nicht, sähe unser Kiez ja noch aus wie vor der Wende, wer will das schon. Ich selbst bin sozusagen „Eingeborener“ und habe die Veränderungen hier über die Jahre direkt erlebt. Viel Gutes, aber auch genug Schlechtes. Das meiste ging aber Stück für Stück, ist irgendwie gewachsen, oder auch wieder verschwunden. Was aber dort an der East Side Gallery, oder besser gesagt der ehemaligen Mauer und Todesstreifen gemacht wird, empfinde ich als abstoßend und kalt. 

Und mit Vergnügungsprojekten an dieser geschichtsträchtigen Stelle hatte ich schon immer so meine Probleme.  Ich denke da immer an eine Textstelle aus „Amused to death“ von Roger Waters (Pink Floyd):

 

„Why am I so out of breath

The captain said excuse me ma'am

This species has amused itself to death

Amused itself to death

Amused itself to death

We watched the tragedy unfold

We did as we were told

We bought and sold

It was the greatest show on earth

But then it was over

We ohhed and aahed“

 

Ich kann auch keinen Bedarf erkennen. Im Kiez gibt es ausreichend Entertainment, Gastronomie und Einzelhandel. Wenn ich mir die Visualisierung des Areals im Artikel ansehe, denke ich sofort an austauschbare Fußgängerzonen in irgendwelchen Städten, irgendwo im Land. Starbucks, Douglas, ein Multiplex, das obligatorische Eiskaffee und natürlich beide Fast Food Ketten. Na dufte!

Geschäfte? Läden aller Art gibt es hier viele. Noch! Was mit den kleinen Läden um die Ecke passiert, wenn ein weiteres riesiges Shoppingcenter eröffnet, brauche ich hier ja nicht weiter ausführen. Wenn ich richtig liege, kann man sein Geld auch nur einmal ausgeben. Arbeitsplätze? Also bitte! Eine ähnliche Zahl wird dadurch im Umfeld vermutlich verschwinden, wenn Läden dicht machen. Wohnraum? Dringend notwendig, keine Frage, allerdings bezahlbarer. Genau dieser ist dort aber wohl ehr nicht zu erwarten.

Was uns als KiezApp-Friedrichshain betrifft, wir werden dieses Areal weitgehend ignorieren und auf mögliche Einnahmen aus diesem „Viertel“ einfach verzichten. Uns geht es um die kleinen Läden und Unternehmen im Kiez und die Menschen die hier leben und nicht um Ketten und Spekulanten. Dabei wäre es ein Leichtes, die Läden eines ganzen Centers auf einen Schwung in die KiezApp zu holen. Das ist nicht unser Ansatz und nicht unser Ziel. Das dauert dann zwar etwas länger bis wir richtig groß sind, ist aber wesentlich gesünder! So vom Wachstum her!

Karsten - KiezApp-Friedrichshain 

 

Hier der Link zum Artikel im Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/friedrichshainer-spreeufer-an-der-east-side-gallery-waechst-ein-neues-viertel/20498168.html

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